Hamburger Wohnhaus in hellem Klinker

23.10.2026 | Aktuelles

Teamplay am Hafen

Wie reizvoll Klinkerarchitektur jenseits der klassischen roten Farbigkeit wirken kann, zeigt jetzt ein neues, achtgeschossiges Wohnhaus in der Hamburger Hafencity: Glasierte Klinker in hellem Grau, oberhalb des ersten Obergeschosses als geneigte Version mit dreidimensionalem Effekt, vereinen Tradition und Moderne. Für zeitgemäßen Wärmeschutz sorgt eine 24-Zentimeter-Mineralwoll-Dämmung.

Am Baakenhafen/Ecke Gretchen-Wohlwill-Platz liegt ein zum Wasser orientierter, exklusiver Standort in der Hamburger Hafencity. Mit acht Geschossen und einer klaren Kubatur setzt das „Sportlerhaus“ hier einen markanten Akzent. Im Erdgeschoss liegen Gewerbe- und Gemeinschaftsflächen, darüber 38 Wohnungen. Die Idee geht auf eine Baugruppe sportbegeisterter Familien zurück, die sich 2017 auf eine Ausschreibung der Stadt bewarb. Nach dem Wettbewerb erhielt das ortsansässige Büro Spine Architects den Zuschlag für einen Entwurf, der sowohl Gemeinschaft als auch Individualität berücksichtigt. Die städtebauliche Setzung reagiert auf die Hafenlage und schafft eine klare Raumkante, die den Platz fasst und zugleich die Öffnung zum Wasser ermöglicht.

Fassadengestaltung mittels Grundrissvariationen
Die Leitidee „Teamplay“ prägt die Organisation der Innenräume über flexible Raumsituationen. Je zwei Wohnungen bilden ein „Spielfeld“ mit variabler „Mittellinie“. Die Bewohner verhandeln, welche Einheit größer und welche kleiner ausfällt. Dazu kommen zwei Grundrisscharaktere: In der „offensiven“ Variante liegen die Wohnräume zum Eingang, in der „defensiven“ Alternative sind sie im hinteren Teil angeordnet. Diese Typologien schaffen unterschiedliche Raumstrukturen für individuelle Präferenzen. Genau diese aktive Auswahl der Baugruppe beeinflusste auch die unterschiedlichen bodentiefen Fensteröffnungen. So spiegelt sich diese individuell geprägte innere Anordnung nach außen, im Fassadenbild.

Subtile Reflexe
Die Konstruktion kombiniert massive Außenwände (Sockelgeschoss: Stahlbeton, Obergeschosse: Kalksandstein) mit einem Fassadendämmsystem (StoTherm Mineral) mit 24 Zentimeter dicker mineralischer Dämmung, die für hohen Wärmeschutz sorgt. Keramische Elemente (StoCera, 6,5 x 24 cm, RAL Achatgrau, glänzend) schließen das System als Wetterschutz ab. Hellgrau glasiert und im Kreuzfugenverband (mit gleichfarbigem Fugenmörtel) verlegt, erzeugen sie ein modernes Fassadenbild und reflektieren das Licht wie eine Wasseroberfläche. Es kamen zwei Profile zum Einsatz: ein flaches für den Sockel und Brüstung des ersten Obergeschosses, ein geneigtes Profil (das auch noch in einer gedrehten Variante genutzt wird) für die darüberliegenden Geschosse. Die Dreidimensionalität erzeugt subtile Licht- und Schatteneffekte. So variiert die Fassade je nach Tages- und Jahreszeit, je nach Himmelsfärbung und Sonnenlicht von sehr hell bis weiß über Grautöne bis zu goldfarbenen Reflexionen des Sonnenuntergangs.

Präzise Keramik
Die Fenster sind präzise ins Raster gefügt, genau in eine Kreuzfuge. Laibung und Sturz sind jeweils mit der flachen Variante der keramischen Elemente bekleidet. Verdeckte Dehnfugen und stumpf gestoßene, keramische Fliesen (mit unglasierten Kanten) an den Außenecken sichern ein homogenes Bild. Sto-Bemusterungsmodelle begleiteten die Planung und sicherten die Qualität bis ins Detail.

Diese durchdachte keramische Oberfläche interpretiert die Hamburger Klinkertradition neu – gestalterisch anspruchsvoll, robust und langlebig, auch im rauen Klima des Nordens.

Foto: Jochen Stüber / Sto SE & Co. KGaA

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